Historie

Frédéric Chopin besuchte im Laufe seines Lebens Böhmen vier mal und erlebte vor allem in Prag, Marienbad, und in Karlsbad eine glückliche Zeit. Daher überrascht es nicht, dass Bestrebungen zur Gründung einer tschechischen Stiftung entstanden, die den Namen dieses bedeutenden Künstlers trägt. Diese Bestrebungen erreichten ihren Höhepunkt zu seinem nahenden 150. Geburtstag, dessen die ganze Welt im Jahre 1960 unter der Schirmherrschaft der UNESCO gedachte.

In den fünfziger Jahren der vergangenen Jahrhunderts erschien eine Reihe von Veröffentlichungen zu diesem Thema, von denen wir mindestens diejenigen von Jaroslav Simonides erwähnen („Prag ist eine schöne Stadt“ – der Titel der Publikation ist einem Brief Chopins während seines ersten Pragaufenthalts 1829 an seine Eltern in Warschau entnommen) oder von Jaroslav Procházka („Chopin in Karlsbad“).

Die Chopin Gesellschaft wurde am 10.06.1959 in Marienbad gegründet. An der Gründungsveranstaltung nahmen Vertreter der Stadt Marienbad teil, sowie Verehrer Chopins, der Chefdirigent des Westböhmischen Sinfonieorchesters Marienbad Miroslav Bervid, der Dirigent Jaroslav Soukup, der Leiter der Musikschule Emil Vlk und vor allem Prof. František Rauch, einer der bedeutendsten tschechischen Interpreten Chopins Klaviermusik.

Die Stadt unterstützte durch die Vermittlung von Jaroslav Porazil und Miroslav Chroust die Gesellschaft. Ihr Sitz wurde das Haus „U Bílé labutě“ (Zum weißen Schwan), in dem Chopin 1836 wohnte und das später in Chopin-Haus umbenannt wurde.

Die Haupttätigkeit der Gesellschaft ist die Veranstaltung des Internationalen Chopin Festivals, das jedes Jahr in der dritten Augustwoche stattfindet. Diese Festivals waren von Anfang an als gattungsübergreifende Kulturfeste konzipiert. Eingeladen werden die führenden tschechischen und internationalen Interpreten der Werke Chopins und anderer Größen der klassischen Musik. Das Festival erhielt in seinem 50. Jahr eine neue Konzeption, die allerdings auf der langjährigen Tradition beruht. Zu den Sinfoniekonzerten, Soloabenden, Abendmusiken, Matineen und Ausstellungen kommen nun Kammerkonzerte, Jazzkonzerte und viele gesellschaftliche Rahmenveranstaltungen hinzu (z. B. das Golfturnier Chopin Cup, das Tennisturnier „Esa Karla Zicha“, usw).

Die Gesellschaft veranstaltet seit ihrer Gründung auch den Wettbewerb für junge Interpreten von Chopins Klavierwerk. Der Hauptinitiator und später auch Vorsitzender der Jury war bis zu seinem Tod Prof. Dr. Václav Holzknecht (+13.08.1988). Anfangs fand der Wettbewerb jährlich statt, später wurde er in eine Biennale umgewandelt. Zur Zeit ist Prof. Ivan Klánský der Vorsitzende, der international bedeutende Pianisten in die Jury einlädt.

Schon im ersten Jahr der Gesellschaft wurde die Gedenkstätte Frédéric Chopins eröffnet, deren bildnerische Form der Architekt Josef Vlček und der Maler Osvald Klapper entwarfen. Mit Hilfe des Leiters des städtischen Museums, Ota Pavelka, ist in der Gedenkstätte Material zusammengetragen, das an den Aufenthalt des Komponisten in Marienbad 1836 erinnert.

Von Anfang an hatte die Chopin Gesellschaft gute Beziehungen zur Chopin Gesellschaft in Warschau und dank J. Simonides zur polnischen Kultur überhaupt. Polnische Delegationen nahmen regelmäßig an unseren Festivals teil, wie auch Mitglieder unserer Gesellschaft am Festival in Duszniki und an anderen bedeutenden Treffen direkt in Warschau. Nicht wegzudenken ist auch die Zusammenarbeit des Festivals mit der polnischen Botschaft und dem polnischen Institut in Prag.